Echtes Reispapier
Jedes Ding hat zwei Seiten -auch das Reispapier

Maler wie Albrecht Dürer hatten immer einen Aufrauher und einen Glätter parat. Es gab damals nur Pergament und Bütten. Wollte man mit einem Silberstift, mit Kohle oder Rötel zeichnen, so wurde z.B. mit einem Bimsstein (dem Aufrauher, Rauhstein) das „Papier“ leicht aufgerauht werden und für das zeichnen mit Bister mit dem Glätter (Glättstein, Glitscher) aus Achat, Bergkristall oder Glas geglättet werden.

Diese Technik ist auch heute noch sehr sinnvoll und so gehören beide
Werkzeuge noch immer zur Standardausrüstung eines Künstlers. Nur so wird aus einem Papier alles herausgeholt, was möglich ist und für den täglichen Bedarf reichen zwei bis vier Papiersorten völlig aus (Reispapier, Palastmuseumpapier, Multikarton, Bütten).
Reispapier hat eine glatte und eine leicht rauhe Seite. Will man eine Silberstiftzeichnung, eine Kohlezeichnung oder Rötelzeichnung anfertigen, so zeichnet wird die samtweich „rauhe“ Seite verwendet.

Bei dem Maltechniken hat die Wahl der Seite auf das Malergebnis einen gewissen
Einfluss. Es lohnt sich das ausgiebig zu testen. So wirken Aquarelle, Camee-Techniken, chinesische Tuschzeichnungen, japanische sumi-e (Tuschebilder), Kalligrafien auf der samtweichen Seite des Papiers besonders schön. Das gilt selbstverständlich erst recht für rahmenlose Bilder, bei denen der Betrachter die Oberfläche sehen kann.  Das Papier wird nicht wie das europäische Papier zwischen 2 Walzen geglättet, sondern wie vor 2.000 Jahren mit feinmaschigen Sieben aus Bütten geschöpft. Daher zeigt eine Seite eine feine, fast glatte Siebstruktur und die andere weist eine leichte Rauhigkeit auf. Üblicherweise nimmt
man aber die rauhere Seite als Malfläche, zumal es dort oft interessante natürliche Einschlüsse gibt. Probieren Sie aus, auf welcher Seite Sie den gewünschten Effekt erzielen.